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4Aug/110

Umgang mit den (neuen) Medien als Informationsquelle und Informationssender

Abseits von der ewigen Diskusion und dem andauernden Schlagabtausch zwischen ‘echten Journalisten’ und den Bloggern (oder generischer: Internetpublizisten), entsteht im gleichen Maße wie das Vertrauen in die klassischen Massenmedien abnimmt eine neue, alternative Medienlandschaft. Mit dieser Verschiebung ist zumindest in einer Übergangsphase ein Vertrauensvakuum verbunden, das es zu benennen gilt.

Angenommen ich bin der Ansicht das die Zeitung XY mir manipulierte Meinungen präsentiert, suche ich nach anderen Quellen aus denen ich mir meinen Informationsbedarf decken möchte. Im ersten Versuch bemühe ich da eine einfache Google-Stichwort-Suche. Stehe dann aber vor einem für mich völlig unüberschaubaren Angebot an (nach Googles Meinung für mich! relevanten) Meinungen. Die Frage ist dann, wie finde ich in diesem riesigen Pool an Meinungen die heraus, an denen ich mein Weltbild ausrichten kann. Das abgegriffene Schlagwort ist da ‘Medienkompetenz’. Da versteht wohl jeder ein wenig Anderes drunter, ich verweise da mal einfach aufhttp://de.wikipedia.org/wiki/Medienkompetenz an dieser Stelle.

Der Punkt der mir in dem Zusammenhang mit EDJ wichtig ist: Genauso wie die ARD, die taz, der erfolgreiche Youtuber oder Blogger bin ich nicht nur Konsument von Informationen. Ich bin im Zweifelsfall im Internet genauso sichtbar mit den von mir verbreiteten Ansichten, wie die genannten klassischen Sender. Bin also selbst vom Medienkonsumenten zum Medienanbieter geworden bzw. bin beides gleichzeitig. Plakativ lässt sich das durch mein Hobby des Livestreamens beschreiben, lässt sich aber auch auf von mir verbreitete Links zu Webseiten, Videos oder Blogartikel herunter brechen.
Bei den Streams bin ich die Schere, die bewust oder unbewust ein von mir manipuliertes Abbild transportiert. Ich filme was mir als relavant erscheint, mache Kameraschwenks und lasse von Selbstmordgedanken sprechende Personen aus meinen Youtubevideos heraus. Basierend auf meinem Weltbild, was im schlechtesten Fall halt ein falsches ist.
Beim Link zu einem taz Artikel, den ich auf Facebook oder Twitter verbreite, bin ich ein Multiplikator. Ich wende also meinen Filter automatisch auf Basis meiner Weltanschauung an und verbreite nur Sachen die in mein Weltbild passen oder mir als für mich (oder den Livestream) relavant erscheint.
Im Endeffekt führe ich an der Stelle genau die Funktion für mich im Kleinen aus, für das Journalisten einmal ‘erfunden’ wurden. Das Aufbereiten und Einordnen der Geschehnisse. Mit dem Unterschied, das ein ‘echter’ Journalist über bessere Werkzeuge verfügt den eigenen Filter zu formen bzw. mehr Zeit hat ihn genauer an zu wenden. Da ergibt sich dann ein Qualität- und Quantitätsproblem für mich.

Basierend auf meiner automatischen Funktion als Sender ergibt sich für mich das Problem, das ich mit jedem fremden oder eigenem Inhalt den ich verlinke oder verbreite mir (relativ) sicher sein muss, das er korrekt ist. Plakatives Beispiel: Wenn die BILD schreibt, das ein Erfinder aus Katzen Benzin machen kann (http://www.bildblog.de/791/von-katzen-und-dummen-menschen/) … OMG … dann muss ich mich fragen ob es Sinn macht, den Artikel überhaupt zu erwähnen. Mir mag der Artikel als offensichtlicher Unfug erscheinen; Derjenige, dem ich den Link an die Pinwand bei Facebook gepostet habe, verfügt aber leider noch nicht über die Kompetenz, es als klaren Fall von BILD Lüge zu erkennen. Unterm Strich hab ich somit die Neuigkeit, das E10 der schlechtere Biokraftstoff ist :D , weiter gegeben und verbreitet.

Lange Rede kurzer Sinn: Es kommt heute nicht mehr nur darauf an, aus welchen Quellen ich mich informiere oder wie seriös diese sind. Es ist zusätzlich wichtig zu wissen, das Andere mich ebenso wie das heutejournal als Quelle ansehen könnten und ich im Wissen darum eine Verantwortung übernehme, die sich nicht mehr viel von den Ansprüchen an einen klassischen Journalisten unterscheiden. Aber natürlich alles in einem kleinerem Rahmen.

 

Hinweiß: der Text war ursprünglich ein Kommentar auf EDJ HH: "Distanzierung – Vernetzung – Bündnis – Freundschaft"

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